Vereinsstander

Jugendprojekt 2011

Alles fing an mit der Idee ein Boot zu bauen. Die Frage war nur, welche Größe und welchen Zweck dieses erfüllen sollte. Der Zweck war schnell gefunden, so sollte das Boot aus handelsüblichen Materialien, die möglichst jeder zuhause hat oder sehr billig einkaufen kann, bestehen. Mein Hintergedanke war dabei, dass ich jedem Kind zeigen wollte, dass man aus einfachsten Materialen etwas echt Tolles bauen kann und dass man dazu nicht unbedingt einen Erwachsenen braucht, um sein Projekt in die Tat umzusetzen. Der erste Termin war ein Planungstermin, indem die Größe des Projektes und die zu verwendenden Materialien bestimmt wurden. Es gab zwei Möglichkeiten: zum einen zwei verschiedene Bootsbauteams einzuteilen, die dann an jeweils einem Boot arbeiten. Da dies allerdings nur akzeptiert werden wollte, wenn die Boote auch Kanonen bekommen, fiel die Wahl schnell auf ein einziges Boot, das wir alle zusammen bauen. Die Materialienwahl war um einiges schwieriger, denn aus Kostengründen mussten wir einige Vorschläge wie Holz, Metall und eine schön geschnitzte Galionsfigur leider verwerfen. Die Wahl fiel dann auf  viel Pappe, Plastiktüten und PET-Flaschen, auch wenn die Kinder anfangs nicht gerade davon überzeugt waren („Das geht doch sofort unter!“). Die Rahmenbedingungen für das Projekt „Bootsbau“ waren nun also, dass irgendwie 10 Kinder von 7-10 Jahren (ca. 300 Kilo) in einem Boot, vorwiegend gebaut aus Pappe und Plastiktüten, eine gewisse Zeit schwimmen sollten. Das allein klingt vielleicht schon nach einem interessanten Projekt, aber da wir ein Segelverein sind, musste das ganze Boot natürlich noch ein komplettes Rigg (Segel + Mast und allem drum und dran) bekommen. Damit einher geht auch der Bedarf einer funktionierenden Ruderanlage, um das Boot auch zu lenken. Erst jetzt war uns das Projekt herausfordernd genug, um an die Arbeit zu gehen. Die nächsten Termine waren geprägt von einer wahren Materialschlacht. Hier konnte man sich wirklich auf die Eltern verlassen. Nach dem letzten Training eine Mail mit benötigten Materialien geschickt, haben wir bereits beim nächsten Training eine Fülle an Baustoffen bekommen, so dass man sich schon Gedanken über die Lagerung machen musste. An dieser Stelle möchte ich ein großes Dankeschön an die Eltern richten, die wirklich keine Kosten und Mühe gescheut haben, uns mit reichlich Materialien und tollen Vorschlägen zu unterstützen. Aber auch die Kinder hatten keine Skrupel bei Netto und dem angrenzenden Lidl die Verkäufer zu fragen, ob Sie noch Bananenkisten auf Lager hatten. Nun ging es also an die Planung, was für eine Art Boot gebaut wird. Wir haben uns alle für einen Trimaran entschieden („weil der einfach mal cool ist, ey“). Anfangs konnte man noch nicht viel erkennen, da man erst einmal die grobe Rumpfform designen musste, aber mit jedem Training und Basteltermin wurde es mehr und mehr ein Schiff.

Wir hatten auch Glück, dass wir im Winter im Vereinshaus das Boot basteln konnten, auch wenn dadurch größere schon zusammen gebaute Teile durchs Fenster gereicht werden mussten („Warum können die denn nicht einfach 3 Meter breite Türen einbauen??“). Alle drei Rumpfteile wurden mit Kühlwasserkanistern von einer Autoservicestation (ein Glück das Winter war), den Bananenkisten und viel Klebeband und Mülltüten innerhalb der kalten Jahreszeit gebaut. Zu einem richtigen Boot gehört aber natürlich auch ein Name. So habe ich den Kindern gesagt, dass Sie sich über die Weihnachtsferien einen Namen überlegen sollten und über diesen dann beim nächsten Training abgestimmt wird. Hier kamen echt eine Menge cooler Namen zustande. Favoriten waren unter anderem: „schnelle Welle“, „Kindertonne“ und „Black Pearl“. Am Ende wurde allerdings ein Name gemeinsam gefunden, den wir alle einstimmig als den Besten gekürt haben. So wurde unser Papptrimaran treffend „Blib Blab Blub“ genannt und später auch getauft. Dann wurde es langsam warm und wir konnten das Bauen des Bootes nach draußen verlegen, was auch langsam Zeit war, da das Rigg ja auch irgendwann einmal gebaut werden sollte und es mit gestelltem Mast dann langsam im Vereinshaus knapp wird. Ursprünglich sollte das Segel aus leichter und strapazierfähiger Malerplane geschnitten werden. Wir hatten auch schon alles mit dem Namen verziert und lustige Blubberblasen darauf gemalt, aber leider hat das Segel eine Bastelstunde mit den Anfängern nicht so richtig überstanden. Denn nachdem mir ein Kind gebeichtet hat, dass es vielleicht ein etwas großes Loch in das Segel geschnitten hat, wurde das Großsegel dann als Fock degradiert. Daraufhin wurde eine riesige Pappe als Großsegel verwendet. Es folgten weitere Arbeiten wie das Verbinden der einzelnen Rumpfteile durch diverse Verstrebungen, sowie die Ruderanlage, die aus drei Paddeln und einer Gardinenstange gebaut wurde. Am 22.5. wurde unser Papptrimaran bei perfektem Wetter getauft. Auch wenn es vielleicht nicht die allerbeste Idee war, die komplette 1,5 Liter Flasche bei der Taufe in einem Pappboot zu entleeren, so hatte dies kaum Auswirkungen auf die Statik des Bootes, kein Wunder bei diesen ausgezeichneten handwerklichen Fähigkeiten der Kinder. Nach einer festgelegten Sitzreihenfolge, die auch bei der „Beladung“ des Bootes genauestens eingehalten werden musste, hatten die Kinder eine Menge Spaß, der fast eine ganze Stunde andauerte. Mit dieser Schwimmdauer haben wir die nachträglich erfahrene Wettquote bei weitem überboten. Nachdem das Boot ungefähr 30 Minuten ohne erkennbare Probleme gesegelt ist, stellte sich danach doch eine ordentliche Schräglage ein. Als dann der eine Ausleger sich schon seltsam verbogen hatte und die Kinder im Heckbereich langsam nasse Füße bekamen, zerbrach der Trimaran unter großem Lachen und Gejubel in zwei Hälften („Wäre ja auch langweilig gewesen, wenn das Boot heil geblieben wäre“).

Nach diesem vollen Erfolg haben wir alle noch einen tollen Nachmittag bei Kaffee, Kuchen und anderen Leckereien verbracht. Zusammenfassend möchte ich sagen, dass dieses Projekt mir eine Menge Spaß gemacht hat und ich noch einmal betonen möchte, dass von mir lediglich die Idee und die Betreuung der Aufgaben geleistet wurden. Die eigentliche Arbeit, das Bauen des Bootes, wurde alles von den Kindern gemacht. Dazu gehörten malen, schneiden, Seile verschnüren und eine Menge Kleben. Aber eben auch Sägen, Bohren und ein wenig berechnen, aber eben unter Aufsicht, auch wenn dies einige Bohrer trotzdem nicht vor ihrem Aus bewahren konnte („so ein Holzbohrer ist halt nicht so richtig geeignet, um in den Betonboden der Bootshalle zu bohren “).  Danke für die Unterstützung, wir hatten eine Menge Spaß.

Oliver Bahro